Damiana Likör selber machen: Rezept für das Aphrodisiakum

Sie steht seit dreihundert Jahren im Ruf, die Lust zu wecken — und ist in Deutschland sogar als Arzneimittel zugelassen. Was Damiana wirklich im Körper macht, plus zwei Rezepte: der eigene Likör und die mexikanische Original-Margarita.

Hellblauer Cocktail im Margaritaglas mit Salzrand und Limettenscheiben, daneben ein Tonkrug und ein Salzschälchen – Damiana-Margarita aus selbstgemachtem Damiana-Likör.

Damiana Likör ist mehr als ein kurioser mexikanischer Kräuterlikör in einer Flasche. Die Pflanze dahinter — Damiana, botanisch Turnera diffusa — gilt seit über dreihundert Jahren als natürliches Aphrodisiakum. In Deutschland ist Damiana heute sogar als Arzneimittel zur Steigerung der weiblichen Libido zugelassen. Und sie ist die ursprüngliche Zutat der mexikanischen Margarita, lange bevor Triple Sec ins Spiel kam. Was die wenigsten wissen: Die Damiana Likör Wirkung ist inzwischen wissenschaftlich ziemlich gut beschrieben.

Was ihr in diesem Artikel bekommt: einen ehrlichen Blick darauf, was Damiana tatsächlich kann, was in der Apotheke davon übrig bleibt, und am Ende zwei Rezepte. Wer Damiana Likör selber machen will, findet weiter unten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ansetzen, plus die klassische Damiana-Margarita als Anwendung.

Mexiko, 1699: Wo das Damiana-Aphrodisiakum herkommt

Die erste schriftliche Erwähnung stammt von einem spanischen Missionar. Pater Juan Maria de Salvatierra dokumentierte 1699, wie indigene Bevölkerungen in Mexiko die Blätter eines kleinen, gelbblühenden Strauchs in Wasser einlegten, mit Zucker süßten und das Getränk als Aphrodisiakum nutzten. Schon die Maya hatten die Pflanze als Heilkraut verwendet — nicht nur für die Lust, sondern auch gegen Asthma und Verdauungsbeschwerden. Aber die Geschichte, die sich gehalten hat, ist die der Liebespflanze.

Damiana wächst wild in Mexiko, vor allem in Baja California, sowie in Mittelamerika und auf einigen karibischen Inseln. Der Strauch wird selten höher als sechzig Zentimeter, hat schmale, gesägte Blätter und kleine gelbe Blüten. Verwendet werden die Blätter und manchmal die Stängel, geerntet zur Blütezeit. Die Inhaltsstoffe haben es in sich: ätherische Öle, Flavonoide wie Apigenin, Pinocembrin und Acacetin, Phenolglycoside (darunter Arbutin), Gerbstoffe und Koffein. Eine ziemlich aktive Mischung für ein gelbes Sträuchlein. Sie reiht sich ein in eine ganze Reihe von Lebensmitteln und Pflanzen mit aphrodisierender Wirkung — aber bei Damiana sind die Gründe inzwischen pharmakologisch ziemlich gut beschrieben.

Damiana Likör Wirkung: Was die Pflanze im Körper macht

Wer nach der Damiana Likör Wirkung sucht, landet schnell zwischen Folklore und Fachartikel. Die Forschung selbst ist noch nicht so weit, dass es große, kontrollierte Studien an Menschen gäbe. Aber sie ist weit genug, um drei konkrete Wirkmechanismen zu beschreiben, die die Damiana Pflanze so besonders machen.

Erstens: Aromatase-Hemmung. Aromatase ist ein Enzym, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Wird es gehemmt, bleibt mehr freies Testosteron im Körper verfügbar — und Testosteron ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein zentraler Treiber für sexuelles Verlangen. Eine Studie aus dem Journal of Ethnopharmacology hat 2008 gezeigt, dass der Methanolextrakt aus Damiana-Blättern die Aromatase-Aktivität dosisabhängig hemmt. Besonders wirksam: die isolierten Flavonoide Pinocembrin und Acacetin. Das ist genau der Mechanismus, auf dem auch verschreibungspflichtige Aromatasehemmer beruhen, die in der Onkologie eingesetzt werden. Hier in deutlich sanfterer Form.

Zweitens: PDE-5-Hemmung und Durchblutung. PDE-5 ist das Enzym, das auch bei der Wirkung von Viagra im Mittelpunkt steht. Wird PDE-5 gebremst, weiten sich die Blutgefäße in den Geschlechtsorganen, das Gewebe wird besser durchblutet, Erregung wird körperlich spürbarer. Damiana-Inhaltsstoffe wirken in vitro ähnlich — natürlich nicht in der Wucht eines verschreibungspflichtigen Medikaments, aber als sanfter Modulator. Eine Studie von 2013, ebenfalls im Journal of Ethnopharmacology publiziert, hat gezeigt, dass die pro-sexuelle Wirkung von Damiana bei Ratten über den NO/cGMP-Pfad läuft — denselben Signalweg, den auch PDE-5-Hemmer nutzen.

Bei Frauen wirkt das vor allem auf die Durchblutung der Klitoris und der Vaginalwände, was ein zentraler Faktor für sexuelle Erregung ist.

Drittens: GABA-Modulation und Angstlösung. Damiana wirkt auch im zentralen Nervensystem entspannend, modelliert GABA-Rezeptoren und hat einen leicht angstlösenden Effekt. Das klingt erstmal nach Nebenschauplatz, ist aber für die sexuelle Wirkung zentral. Ein riesiger Anteil von Lustlosigkeit hängt nicht an Hormonen, sondern an Stress, Anspannung und gedanklicher Abgelenktheit. Eine Substanz, die runterfährt, ohne zu sedieren, ist genau das, was viele in dieser Situation brauchen. Eine bereits 2009 erschienene Studie zeigte zudem, dass Damiana bei sexuell erschöpften männlichen Ratten das Sexualverhalten signifikant wiederhergestellt hat — auf einem Niveau, das mit Yohimbin vergleichbar war, einem klassischen Referenz-Aphrodisiakum.

Was bedeutet das alles in Summe? Damiana greift gleichzeitig an mehreren Stellen ein, an denen Lust entsteht: am Hormonsystem, am Blutkreislauf, am Nervensystem. Genau diese Mehrfach-Wirkung ist auch der Grund, warum Damiana in Deutschland nicht in der Esoterik-Ecke gelandet ist, sondern in einer Apothekenschublade. Eine umfassende deutschsprachige Übersicht zur Wirkmechanik hat 2021 genau das festgehalten — und dabei aus pharmakologischer Sicht erklärt, warum die Tradition der Pflanze so hartnäckig hält.

Damiana in der Apotheke: Vom Maya-Ritual zum BfArM-Eintrag

Im Juli 2016 passierte etwas, das in der deutschen Phytopharmazie selten ist: Ein Hersteller, Schaper & Brümmer, brachte mit Remisens® das erste in Deutschland registrierte pflanzliche Arzneimittel als Aphrodisiakum auf den Markt — als offizielle Marktnachricht damals breit kommuniziert. Wirkstoff: 225 mg Trockenextrakt aus Damianablättern pro Filmtablette. Indikation: nachlassendes sexuelles Verlangen, primär bei Frauen. 2017 folgte mit libiLoges® von Dr. Loges ein zweites Präparat — gleicher Wirkstoff, gleiche Indikation, pharmakologisch komplex. Damit ist Damiana nicht mehr Folklore, sondern Phytopharmakon. Quasi wie Sinupret fürs Schlafzimmer.

Aber: Beides sind sogenannte traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Was heißt das genau? Eine kurze Einordnung lohnt sich, weil viele den Status falsch verstehen.

Ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel ist beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert, hat eine offizielle Indikation, eine Packungsbeilage und unterliegt der Apothekenpflicht. Die Zulassung beruht auf langjähriger, dokumentierter Anwendung — nicht auf großen randomisiert-kontrollierten Wirksamkeitsstudien, wie sie für klassische Medikamente verlangt werden. Konkret heißt das: Der deutsche Staat erkennt an, dass Damiana traditionell und plausibel zur Behandlung nachlassenden sexuellen Verlangens eingesetzt wird, und erlaubt diese Indikation auf der Verpackung. Wer das Gefühl kennt, nie so richtig von sich aus Lust zu haben, findet in solchen Präparaten einen ersten niedrigschwelligen Versuch.

Wichtig — und im Internet leider oft verwechselt: Wenn ihr Damiana mit therapeutischer Absicht ausprobieren wollt, ist die Apotheke der richtige Ort, denn ihr braucht ein vertrauenswürdiges Präparat. Die Mittel sind rezeptfrei, eine kurze Beratung lohnt sich aber — vor allem, wenn ihr andere Medikamente einnehmt. Zum Beispiel wird Damiana in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, ebenso nicht bei bekannten Lebererkrankungen, und die zugelassenen Präparate sind nur für Erwachsene. Das gilt übrigens auch für den Likör — dazu gleich mehr.

Damiana Likör und die originale mexikanische Margarita

Springen wir zurück nach Mexiko. Die Guaycura, eine indigene Bevölkerung in Baja California, stellten aus den wild wachsenden Damiana-Blättern einen Likör her — ursprünglich für rituelle Zwecke. Während der spanischen Christianisierung wurde der Likör zwischenzeitlich verboten, was seinen Mythos eher größer als kleiner gemacht hat. Heute kommt er meist in einer Flasche, die einem Frauenkörper nachempfunden ist, mit Bezug auf eine inkanische Fruchtbarkeitsgöttin. Subtil ist anders. Aber die Geschichte stimmt.

Geschmacklich ist Damiana-Likör nicht zu vergleichen mit den üblichen Verdächtigen. Er ist floral, leicht honigsüß, mit einer feinen Vanille-Note und einem dezent bitteren Nachhall, der von den Kräutern kommt. Etwa dreißig Volumenprozent Alkohol. Manche beschreiben ihn als Brücke zwischen Chartreuse und einem milden Kräuterlikör — wer Bénédictine kennt, hat eine grobe Richtung.

Und jetzt zur Geschichte, die jeder Margarita-Fan einmal gehört haben sollte: In der mexikanischen Folklore wird die ursprüngliche Margarita nicht mit Triple Sec oder Cointreau gemixt, sondern mit Damiana-Likör. In Los Cabos und Baja California gilt die Damiana-Margarita bis heute als die „echte“ Variante, und in vielen Bars dort wird sie ausschließlich so serviert.

Damiana Likör Rezept: Selber ansetzen und Margarita mixen

Zum Schluss das Praktische — das Damiana Likör Rezept. Den könnt ihr pur genießen, auf Eis, oder daraus eine echte Margarita mixen. Ihr könnt Damiana Likör fertig kaufen — die bekanntesten Marken sind Guaycura Licor de Damiana und Damiana Liqueur aus Mexiko, beide in gut sortierten Spirituosenläden oder online erhältlich. Wenn ihr aber Geduld habt, lohnt sich der eigene Ansatz. Liebestropfen selber machen ist überraschend simpel — ihr schmeckt den Unterschied zur Massenware sofort, und ihr habt die volle Kontrolle über Süße und Stärke.

Damiana Likör Rezept zum Selber-Ansetzen

Für ungefähr 700 ml fertigen Likör:

•       30 g getrocknete Damiana-Blätter (aus der Apotheke, dem Reformhaus oder einem guten Online-Kräuterhändler)

•       500 ml klarer Vodka, ungewürzt, mindestens 40 % Vol.

•       200 ml Wasser

•       150 g milder Honig (zum Beispiel Akazie oder Blütenhonig)

•       Eine halbe Vanilleschote, längs aufgeschlitzt

•       Optional: ein dünner Streifen Bio-Orangenschale

So geht's:

Damiana-Blätter und Vanilleschote in ein sauberes, verschließbares Glas geben. Vodka darüber gießen, gut verschließen, an einem dunklen Ort stehen lassen. Vier bis sechs Wochen ziehen lassen, alle paar Tage einmal kurz schwenken. Danach durch ein feines Sieb oder einen Kaffeefilter abseihen — ihr wollt einen klaren, dunkelgoldenen Auszug.

Während der Auszug zieht, könnt ihr in den letzten Tagen den Honigsirup vorbereiten: Wasser leicht erwärmen, Honig darin lösen (nicht kochen — das zerstört die feinen Aromen), abkühlen lassen. Abgeseihten Damiana-Auszug und Honigsirup zusammenführen, einmal gut durchmischen, in eine schöne Flasche füllen. Vor dem ersten Verkosten nochmal eine Woche durchziehen lassen — der Likör rundet sich deutlich.

Im Kühlschrank gelagert, hält der selbst angesetzte Damiana Likör problemlos sechs Monate. Wahrscheinlich aber kürzer, weil er weg ist.

Die Damiana-Margarita als Aphrodisiakum Rezept

Für zwei Gläser:

•       6 cl Damiana-Likör (eigener Ansatz oder gekauft)

•       8 cl weißer Tequila, am besten 100 % Agave

•       4 cl frisch gepresster Limettensaft

•       Einen Spritzer Angostura (optional, gibt der Margarita die Tiefe, die sie verdient)

•       Grobes Meersalz für den Rand

•       Eine Limettenscheibe zum Garnieren

•       Eiswürfel

So geht's:

Ein Margarita-Glas am Rand mit einer halbierten Limette anfeuchten, dann in grobes Meersalz tauchen. Damiana-Likör, Tequila, Limettensaft und Angostura mit Eis im Shaker oder einem geschlossenen Glas kräftig schütteln, bis die Außenseite kalt beschlägt. Durch ein feines Sieb in das vorbereitete Glas abseihen — ohne Eis im Glas (klassisch up,) oder über frische Eiswürfel, wenn euch das lieber ist. Mit Limettenscheibe garnieren.

Was ihr trinkt, ist ungefähr das, was in den 1940er Jahren in Baja California serviert wurde.

Damiana Likör ist kein Liebestrunk, der euch in Sekunden in eine andere Person verwandelt. Aber sie ist auch nicht das, was viele glauben — esoterischer Hokuspokus. Sie ist eine Pflanze mit Geschichte, mit nachweisbarer Pharmakologie, mit einem Apothekenstatus und mit einem ziemlich gut schmeckenden Likör. Wer Lust hat, das auszuprobieren, hat jetzt drei Wege: die Tablette aus der Apotheke, die Flasche aus dem Spirituosenladen oder das Glas mit den Blättern, das in vier Wochen fertig ist.

Wahrscheinlich ist der dritte Weg der schönste. Schon allein, weil ihr beim Warten auf den Likör Zeit habt, gemeinsam zu überlegen, wie ihr das erste Glas trinkt. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Literatur

Estrada-Reyes, R., Ortiz-López, P., Gutiérrez-Ortíz, J., & Martínez-Mota, L. (2009). Turnera diffusa Wild (Turneraceae) recovers sexual behavior in sexually exhausted males. Journal of Ethnopharmacology, 123(3), 423–429. https://doi.org/10.1016/j.jep.2009.03.032

Estrada-Reyes, R., Carro-Juárez, M., & Martínez-Mota, L. (2013). Pro-sexual effects of Turnera diffusa Wild (Turneraceae) in male rats involves the nitric oxide pathway. Journal of Ethnopharmacology, 146(1), 164–172. https://doi.org/10.1016/j.jep.2012.12.025

Zhao, J., Dasmahapatra, A. K., Khan, S. I., & Khan, I. A. (2008). Anti-aromatase activity of the constituents from damiana (Turnera diffusa). Journal of Ethnopharmacology, 120(3), 387–393. https://doi.org/10.1016/j.jep.2008.09.016

Bauer, R. (2021). Sexuelle Unlust – Wirkmechanismen des natürlichen Aphrodisiakums Damiana (Turnera diffusa). Journal für Gynäkologische Endokrinologie / Schweiz. https://doi.org/10.1007/s41975-021-00193-0