Progesteron — Der wahre Grund für PMS und niedrige Lust?

Du fühlst dich wie ein anderer Mensch? Schlaf kippt, Lust kippt, Stimmung kippt. Synthetische Hormone bringen das natürliche Hormongleichgewicht durcheinander! Was Dr. John Lee vor 30 Jahren erkannte — und was die wenigsten wissen: Natürliches Progesteron gibt dem Körper zurück, was ihm fehlt.

Flatlay mit Cremetiegel, Tube, Pipette und grünen Blättern auf pastellblauem Grund – Symbolbild für die Anwendung von Progesteron-Creme.

Reizbar vor der Periode. Brustspannen, das jede Umarmung anstrengend macht. Migräne und schlechter Schlaf, der sich in einem Energie-Tief auswirkt. Und das Gefühl, dass die eigene Lust verschwunden ist — auf Sex, auf Nähe, manchmal auf alles.

Wer mit diesen Symptomen zur Ärztin geht, hört oft: „Das ist normal.“ Oder: „Probieren wir die Pille.“ Oder: „Da müssen Sie als Frau durch.“ Was leider selten kommt: ein Blick auf das hormonelle Gleichgewicht und auf ein Hormon, das in der Frauenheilkunde lange ein Schattendasein geführt hat.

Dr. John R. Lee, ein US-amerikanischer Allgemeinmediziner, hat dieses Hormon schon vor über 30 Jahren auf die Bühne geholt. In seinen Klassikern „What Your Doctor May Not Tell You About Menopause“ und „Hormone Balance Made Simple“ beschrieb er das, was Millionen Frauen aus ihrem eigenen Körper kannten. Dr. Lees Hormon-Balance-Ansatz wurde damals belächelt — heute legt er den Grundstein für ein zentrales Konzept moderner Frauengesundheit: Hormone ins Gleichgewicht bringen, statt einzelne Symptome zu unterdrücken. Und sein Verdacht damals war: Vielen Frauen ab 30 fehlt nicht Östrogen — ihnen fehlt Progesteron. Die gute Nachricht: Dieses Gleichgewicht lässt sich wiederherstellen.

Hormone sind ein Fließgleichgewicht — kein fester Zustand

Um zu verstehen, was Progesteron im Körper leistet, hilft ein Blick auf das große Ganze. Hormone sind kein statischer Spiegel, der mal hoch und mal niedrig steht. Sie sind ein komplexes System, das in ständigem Fluss ist: John R. Lee nannte dieses fein abgestimmte Zusammenspiel den „Tanz der Steroide“. Wie dieser Tanz genau funktioniert und warum er so leicht aus dem Takt gerät, liest du in unserem ausführlichen Artikel über den Tanz der Steroide. Hier haben wir auch die typischen Symptome von Progesteronmangel bzw. Östrogendominanz ausführlich beschrieben.

So entsteht zum Beispiel aus Cholesterin zunächst Pregnenolon, daraus Progesteron — und aus Progesteron wiederum kann der Körper je nach Bedarf weitere Hormone bauen, von Cortisol über Östrogen bis Testosteron.

Das Entscheidende daran: Progesteron sitzt nicht am Rand dieses Systems, sondern an dieser wichtigen Kreuzung. Es ist eigenes Hormon mit eigenen Wirkungen, aber auch Ausgangsstoff für andere. Fällt es aus, fehlt nicht nur ein einzelner Botenstoff — es gerät das gesamte System durcheinander. Genau deshalb hat ein Progesteronmangel so viele, so unterschiedliche Gesichter. Und das dieses Gleichgewicht kippt, ist gar nicht so selten. Denn Stress, Pille, Hormonspiralen, Zyklen ohne Eisprung und vieles mehr können ein Hormonungleichgewicht zur Folge haben.

Speichel statt Blut: Lees Empfehlungen, um den Hormonstatus zu messen

Für die Frage, ob überhaupt ein Mangel vorliegt und ob die Anwendung wirkt, hatte Lee eine unbequeme, aber konsequente Meinung: Der übliche Bluttest sei dafür weitgehend ungeeignet — der Speicheltest sei die bessere Methode.

Sein Argument folgt direkt aus der Biochemie. Die Hormone, die die Drüsen ins Blut abgeben, sind dort größtenteils in Eiweiß-„Hüllen" verpackt, damit sie transportiert werden können. In dieser gebundenen Form sind sie aber nicht biologisch aktiv. Nur die freien, ungebundenen 1 bis 10 Prozent wirken tatsächlich an den Zellen. Und genau diese freie, aktive Fraktion ist es, die in den Speichel übertritt — die eiweißgebundene nicht. Der Speichel spiegelt damit laut Lee wider, was wirklich im Gewebe ankommt; der Bluttest misst überwiegend den gebundenen, unwirksamen Anteil mit.

Besonders heikel wird das bei der Creme. Transdermal aufgenommenes Progesteron reist auf den Fettbestandteilen des Blutes (nicht im Serum) und ist nahezu vollständig verfügbar — taucht aber im Bluttest kaum auf. Lees pointierte Schlussfolgerung: Wenn der Serumspiegel nach Cremeanwendung deutlich ansteigt, ist das eher ein Zeichen für eine Überdosierung als für gute Wirkung. Im Speichel dagegen zeige sich die Aufnahme schon nach wenigen Stunden zuverlässig.

Dazu kommt ein praktischer Punkt, der gerade bei oralen Kapseln zählt: Ein großer Teil des geschluckten Progesterons wird in der Leber zu inaktiven Abbauprodukten umgebaut. Lee verwies auf Analysen, nach denen rund 80 Prozent dessen, was ein herkömmlicher Bluttest als „Progesteron" misst, in Wahrheit inaktive Metaboliten sind. Wer also 100 mg oral nimmt und einen Blutwert von 10 ng/ml zurückbekommt, hat real vielleicht nur 2 ng/ml wirksames Progesteron — der Rest sind Abbauprodukte, die der Speicheltest gar nicht erst mitzählt.

Für Lee war der Speicheltest deshalb nicht nur genauer, sondern auch alltagstauglicher: schneller, günstiger, schmerzfrei, ohne Laborbesuch — und so unkompliziert, dass man ihn mehrfach über einen Tag oder Zyklus hinweg wiederholen kann, etwa um herauszufinden, ob ein Eisprung stattgefunden hat. Als groben Orientierungswert nannte er ein gesundes Verhältnis von Progesteron zu Östradiol im Speichel von etwa 200 bis 300 zu 1.

In der Praxis: So wendet man natürliches Progesteron nach Lee an

Für die Anwendung hatte John R. Lee sehr konkrete Vorstellungen — und eine klare Lieblingsform. Sein wichtigstes Prinzip vorweg: Es geht um physiologische Dosierung. Das heißt, man gibt nur so viel, wie gesunde Eierstöcke selbst produzieren würden — nicht mehr. Lee warnte ausdrücklich davor, diese natürliche Menge zu überschreiten: Behandelt wird ein Progesteronmangel, kein Wettrennen um möglichst hohe Spiegel. Als grobe Orientierung nannte er die normale Eierstockproduktion von etwa 12 bis 24 mg pro Tag.

Lees bevorzugte Form: die transdermale Creme. Von allen Darreichungsformen war die Creme über die Haut für Lee die erste Wahl. Sein Argument: Progesteron ist fettlöslich. Über die Haut aufgenommen, wird es nicht — wie bei der Tablette — in der Leber an Eiweiße gebunden, sondern reist größtenteils auf den roten Blutkörperchen durch den Körper und ist dort nahezu vollständig biologisch verfügbar. Es beginnt innerhalb von Sekunden zu zirkulieren, erreicht nach drei bis vier Stunden seinen Höhepunkt und ist nach rund zwölf Stunden wieder weitgehend ausgeschieden. Ein Bluttest zeige nach Cremeanwendung oft keinen Anstieg — das sei aber kein Beweis schlechter Aufnahme, sondern liege an der Messmethode; aussagekräftiger sei ein Speicheltest.

Wo und wie auftragen. Lee empfahl, die Creme dort aufzutragen, wo die Haut dünn und gut durchblutet ist — dort, wo man errötet: Gesicht, Hals, oberer Brustkorb, Brüste, Innenseite der Arme, Handflächen und Fußsohlen. Wichtig: die Stellen rotieren, über drei bis vier verschiedene Hautareale an verschiedenen Tagen, weil sich eine einzelne Stelle sonst „sättigt". Am besten in geteilter Dosis — die größere Portion abends (sie wirkt beruhigend und schlaffördernd), die kleinere morgens. Und: erst nach einem warmen Bad oder einer Dusche auftragen, nicht davor.

Das Problem mit der „Yams-Creme“. Aus der Yamswurzel wird Diosgenin hergestellt. Ein Vorläufer von Progesteron. Daher werden diese Cremes häufig mit den gleichen Versprechen einer Creme mit natürlichem Progesteron verkauft. Aber hier ein ganz klarer, wichtiger Hinweis von Lee: Nicht überall, wo „Wild Yam Extract" (Yamswurzel-Extrakt) draufsteht, ist auch Progesteron drin. Viele dieser Cremes enthalten lediglich Diosgenin — den pflanzlichen Ausgangsstoff, aus dem im Labor Progesteron hergestellt wird. Der Haken: Der menschliche Körper kann Diosgenin nicht selbst in Progesteron umwandeln. Diese Umwandlung passiert nur im Labor, nicht in der Haut. Eine reine Yams- oder Diosgenin-Creme wirkt also nicht wie Progesteron. Lees Rat: Nur Produkte verwenden, auf denen Progesteron ausdrücklich mit Mengenangabe deklariert ist — steht dort nur „Wild Yam Extract" ohne konkrete Progesteron-Angabe, beim Hersteller nachfragen oder die Finger davon lassen.

Was Lee von Kapseln hielt. Die orale Kapsel (etwa Prometrium) sah Lee kritisch. Geschluckt geht das meiste Progesteron direkt durch die Leber, wo 85–90 % schon vor dem Kreislauf abgebaut werden. Deshalb braucht es orale Dosen von 100–400 mg für denselben Effekt wie 30–40 mg über die Haut. Lee sah keinen Grund, die Leber dieser Arbeit auszusetzen — zumal Müdigkeit bei oraler Einnahme für ihn ein Zeichen war, dass die Dosis schlicht zu hoch ist.

Dosierung von Progesteron nach Lebensphase

Hier wird Lee sehr konkret — und die Mengen liegen durchweg niedriger, als man erwartet. Seine Dosisangaben beziehen sich auf eine Creme mit rund 900–1.000 mg Progesteron pro 60-ml-Behälter (etwa 40 mg pro ½ Teelöffel, 20 mg pro ¼ Teelöffel).

Frauen vor der Menopause (menstruierend, aber mit Progesteronmangel bzw. Östrogendominanz). Die meisten brauchen laut Lee nur 15 bis 20 mg täglich während der zweiten Zyklushälfte — ungefähr die körpereigene Menge. Manche kommen mit 10 mg aus, andere brauchen eher 30 mg. Wann: in den zwei Wochen vor der Periode, und ein bis zwei Tage vor der erwarteten Blutung aufhören. Bei unregelmäßigem Zyklus gilt die Faustregel: vom erwarteten ersten Tag der nächsten Periode zwei Wochen zurückrechnen und dann starten — denn vom Eisprung bis zur Periode sind es bei fast allen Frauen rund 14 Tage. Es kann zwei bis drei Zyklen dauern, bis man den richtigen Rhythmus findet, und bis zu drei Monate, bis sich regelmäßige Zyklen einstellen.

Bei jahrelangem Mangel. Wer schon lange einen Mangel hat, dessen Fettgewebe ist praktisch leer an Progesteron. Lee empfahl deshalb, in den ersten ein bis zwei Monaten höher zu dosieren — etwa ¼ Teelöffel zweimal täglich (rund 40 mg/Tag) in den zwei Wochen vor der Periode —, um die Speicher aufzufüllen. Nach zwei bis drei Monaten lässt sich die Dosis meist halbieren (auf etwa 20 mg/Tag) bei gleich gutem Ergebnis.

Frauen in der Menopause (ohne Zyklus). Hier empfahl Lee 10 bis 15 mg täglich an 24 bis 26 Tagen des Kalendermonats — zum Beispiel vom 1. bis zum 24.–26. des Monats, dann eine mehrtägige Pause. Diese monatliche Pause ist wichtig: Da der Körper nach der Menopause weiter etwas Östrogen bildet, kann durchgehendes Progesteron sonst erneut Blutungen auslösen. Treten in der Pause wieder Hitzewallungen auf, lässt sich die Dosis über zwei bis drei Tage langsam ausschleichen oder die Pause auf drei Tage verkürzen.

Dosierung von Progesteron bei spezifischen Beschwerden

Grundsätzlich sind die obigen Empfehlungen die Basis, an der man sich orientieren kann und sollte. Bei spezifischen Beschwerden können aber auch andere Creme-Muster relevant sein. Allerdings macht es Sinn, zumindest hin und wieder seinen Hormonstatus über die von Lee empfohlenen Speicheltests zu prüfen.

Bei starkem PMS. PMS geht oft mit Stress und erhöhtem Cortisol einher — und Cortisol senkt nicht nur die Progesteronproduktion, sondern konkurriert auch um dieselben Rezeptoren. Deshalb kann hier eine etwas höhere Dosis nötig sein. Lee schlug ein „Crescendo"-Muster vor: ab Tag 10–12 mit kleinen Mengen abends beginnen und bis zur Periode steigern, die letzten drei bis vier Tage mit größeren Mengen oder dreimal täglich. In den ersten ein, zwei Monaten kann dabei ein voller 2-Unzen-Behälter pro Zyklus verbraucht werden; danach reduziert man auf die niedrigste wirksame Dosis.

Bei zyklusabhängiger Migräne. Anwendung in den 10 Tagen vor der Periode (etwa Tag 16–26). Bei Frauen, die die typische „Aura" vor der Migräne spüren, empfahl Lee, alle drei bis vier Stunden ¼ Teelöffel aufzutragen, bis die Symptome nachlassen — oft genügten ein bis zwei Anwendungen. Die Creme kann dafür auch direkt auf Nacken oder Schläfen aufgetragen werden.

Bei Endometriose. Hier orientierte sich Lee an den hohen Progesteronspiegeln der frühen Schwangerschaft. Anwendung von Tag 8 bis Tag 26 eines 28-Tage-Zyklus, in höherer Dosis (¼ Teelöffel zwei- bis dreimal täglich, entsprechend 40–60 mg/Tag). Besserung zeigt sich meist erst nach mehreren Monaten; es kann bis zu sechs Monate dauern. Macht eine hohe Dosis müde, ist das für Lee das Signal: zu viel — Dosis reduzieren.

Bei Gebärmuttermyomen. Bei kleineren Myomen (bis etwa Mandarinengröße) empfahl Lee rund 20 mg täglich in der zweiten Zyklushälfte. Wird Progesteron auf normale Spiegel angehoben, schrumpfen kleine Myome manchmal und hören auf zu wachsen — vermutlich, weil Progesteron hilft, Östrogen schneller aus dem Gewebe zu klären. Klappt nicht immer, ist aber laut Lee einen Versuch wert.

Bei Brustzysten (Fibrozysten). Diese reagieren laut Lee besonders gut auf Progesteron. 15 bis 20 mg täglich vom Eisprung bis ein, zwei Tage vor der Periode führen meist innerhalb von drei bis vier Monaten zu normalem Brustgewebe zurück. Manche seiner Patientinnen trugen die Creme dabei alle paar Tage direkt auf die Brüste auf. Ergänzend nannte er Vitamin E, Magnesium und Vitamin B6 sowie weniger Koffein und Zucker.

Wie natürliches Progesteron das Gleichgewicht wiederherstellt

Und hier kommt die eigentliche gute Nachricht. Wenn das Problem ein gekipptes Gleichgewicht ist, dann ist die Lösung kein Unterdrücken von Symptomen, sondern ein Wiederherstellen des Systems. Genau das ist der Ansatz hinter natürlichem Progesteron.

Es bringt den Gegenspieler zurück. Wird Progesteron an der richtigen Stelle aufgefüllt, bekommt Östrogen wieder sein Gegengewicht. Die Östrogendominanz lindert sich — und mit ihr die Symptome, die sie verursacht hat: Brustspannen, schwere Blutungen, das prämenstruelle Chaos.

Es schaltet die innere Beruhigung wieder ein. Über Allopregnanolon, den beruhigenden Metaboliten, kehren Schlaf und Gelassenheit zurück — oft als Erstes spürbar. Und das hat einen schönen Nebeneffekt: Wer wieder schläft und ruhiger wird, gerät weniger in Dauerstress. Weniger Stress bedeutet, dass die Nebenniere weniger Cortisol fahren muss — und damit entspannt sich genau der Mechanismus, der dem Körper vorher Progesteron entzogen hat. Aus einem Teufelskreis wird ein positiver Kreislauf.

Und die Lust? Die Forschung sieht Testosteron als den stärksten hormonellen Treiber weiblicher Libido, Östrogen unterstützt Lubrikation und Durchblutung. Progesteron wird in manchen Phasen sogar eher mit gedämpfter Lust in Verbindung gebracht. Lee selbst beobachtete bei seinen Patientinnen aber, dass die Libido erst mit Progesteron zurückkehrte. Der wahrscheinlichste Weg dahin ist nur zum Teil, dass Progesteron als Rohstoff einfach mehr Testosteron „nachfüllt“. Dafür sind die Produktionswege im Körper zu getrennt und zu fein gesteuert. Der tragende Mechanismus ist wohl überwiegend indirekt: Wenn Schlaf, Stimmung und Stresslevel wieder ins Lot kommen, fallen die größten Lustkiller weg.

In Wellen, nicht über Nacht. Die Wirkung kommt gestaffelt. Schlaf bessert sich oft schon nach wenigen Tagen. Stimmung und Reizbarkeit folgen über zwei bis vier Wochen. Zyklus, PMS, Brustspannen und Migräne reagieren häufig erst nach zwei bis drei Monaten. Und die Lust folgt meist zuletzt — sobald der Rest wieder im Gleichgewicht ist.

Nebenwirkungen der Progesteroncreme — fast immer eine Frage der Dosis

Zu den Nebenwirkungen der Progesteroncreme hatte Lee eine klare Haltung: In kleinen, physiologischen Dosen — also etwa 20 mg pro Tag — gebe es so gut wie keine. Die allermeisten Beschwerden, von denen ihm Leserinnen berichteten, führte er auf einen einzigen Grund zurück: eine zu hohe Dosis. Er nannte Fälle, in denen 100 mg Creme täglich empfohlen wurden — für ihn ein sicherer Weg in genau die hormonellen Ungleichgewichte, die man eigentlich beheben will, bis hin zum Abschalten der Hormonrezeptoren. Sein zweiter häufiger Grund: Kombi-Cremes, die Progesteron mit Östrogen oder Testosteron mischen. Transdermale Hormone sollten einzeln angewendet werden, damit man die Dosis bei Bedarf einzeln nachsteuern kann.

Wenn doch etwas auftritt, lässt es sich meist erklären — und es zeigt, wie eng alles mit dem „Tanz der Steroide" zusammenhängt:

  • Müdigkeit/Schläfrigkeit — der Allopregnanolon-Effekt. Bei normaler Dosis empfinden die meisten Frauen es eher als angenehme Ruhe; ausgeprägte Müdigkeit ist für Lee das verlässlichste Zeichen, dass die Dosis zu hoch ist.

  • Wassereinlagerungen — bei Überdosis kann etwas Progesteron zu Desoxycorticosteron umgebaut werden, einem Nebennierenhormon, das Wasser zurückhält.

  • Blähungen — Progesteron verlangsamt die Verdauung (derselbe Mechanismus wie in der Schwangerschaft).

  • Gedämpfte Libido — zu viel Progesteron sättigt und „regelt" die Progesteronrezeptoren herunter (Lees Bild: wie zu viel Licht, das die Augen unempfindlich macht) und kann zudem die Testosteron-Verwertung bremsen. Genau der Grund, warum mehr eben nicht mehr Lust bringt.

  • Leichte Verstimmung oder Östrogenmangel-Symptome — bei Überdosis werden die Östrogenrezeptoren heruntergeregelt; weil Progesteron und Östrogen sich gegenseitig brauchen, kann zu viel Progesteron das Gewebe gegenüber Östrogen unempfindlich machen.

Eine Besonderheit ist die anfängliche Verschlechterung bei Frauen mit langjährigem Mangel: In den ersten ein, zwei Wochen können vorübergehend Östrogendominanz-Symptome auftreten — gespannte Brüste, Wassereinlagerung, Kopfschmerzen. Lees Erklärung: Die lange „eingeschlafenen" Östrogenrezeptoren wachen wieder auf. Diese Phase ist normal und klingt meist innerhalb weniger Wochen ab; wer empfindlich reagiert, beginnt mit einer kleineren Dosis. Und wer noch einen Zyklus hat und Progesteron außerhalb der richtigen Zyklusphase anwendet, kann eine Verschiebung der Periode oder Schmierblutungen bemerken.

Das oberste Kriterium bleibt immer die Wirkung. Für Lee war die Messlatte der Körper selbst, nicht die Zahl auf einem Teststreifen: Bessern sich die PMS-Symptome? Lässt die Wassereinlagerung vor der Periode nach? Werden Brust- oder Gebärmutterzysten kleiner? Ist die Stimmung stabiler, die Angst geringer? Sein Rat: die Dosis finden, die das Problem behebt — und sie dann auf das Minimum reduzieren, das den Effekt hält. Macht die Creme müde, ist das ein verlässliches Zeichen, dass die Dosis zu hoch ist.

Fazit: Ich finde es auf jeden Fall spannend, wie die Hormone alle miteinander in Zusammenhang stehen und es ist ganz klar, warum ein Eingriff mit künstlichen Hormonen in diese Balance zahlreiche unangenehme Folgen mit sich bringen kann. Von daher klingt ein natürlicher Ausgleich, der sich selbst regulieren kann, doch eigentlich sinnvoll. Was ist eure Meinung dazu? Habt ihr schon von natürlichen Progesteronen gehört?